NBS

 

Was ist Natural Balance Shoeing (NBS)?

Beschlag nach dem Prinzip der natürlichen Hufbalance.

Da Wildpferde in ihrem natürlichen Umfeld bestens ohne die Hilfe der Menschen auskommen, lässt vermuten, dass wir hier eine Menge Antworten auf so manche Frage finden, was richtig und was falsch ist in unseren Gedanken vom korrekten Huf. Dass die Hufe von Wildpferden sich ein Leben lang ganz von selbst gesund und funktionstüchtig erhalten, muss jeden, der darüber nachdenkt, faszinieren. Wie unterscheiden sich die Hufe der wildlebenden Pferde von denen unserer Hauspferde? Hier ist nun maßgebend der Name eines Hufschmiedes aus Montana USA zu nennen. Gene Ovnicek untersuchte in den 90 er Jahren Wildpferdehufe und ließ die Ergebnisse dieser Studie in eine ganz neue Beschlags- und Ausschneidetechnik einfließen. Daraus entstand die Technik des NBS.

Auffallend an den Wildpferdehufen ist, dass sie wesentlich kürzer in der Zehe sind und eine Hornschwiele aufweisen, worüber sie abrollen (Bild 1). Die Sohle ist zudem kaum hohl bzw. gewölbt, sondern meist stark mit Hornmaterial angefüllt (Bild 1).

Auch der Strahl der Wildpferde ist sehr gut ausgeprägt, zäh und gesund und trägt mit dazu bei, dass bei jedem Auftreten des Pferdes die inneren Strukturen einen leichten Druck von unten erhalten. Die dicke Sohle, der gut entwickelte Strahl und das Bodenmaterial also Erde, die sich in den seitlichen Strahlfurchen gut festsetzten kann, bilden eine Tragfläche!

Lange war man der Meinung, dass nur der sogenannte Tragrand für den Bodenkontakt bestimmt ist und somit auch die ganze Last trägt. Daher auch der Name Tragrand. Die Hufe der Wildpferde haben aber nun gezeigt, dass der Tragrand bei ihnen gar nicht alleine trägt. Bei den wildlebenden Pferden hat der als Tragrand bezeichnete Teil des Hufes oft wenig Kontakt zum Boden!

Auch hatten sich die Wildpferde eine starke Zehenrichtung angelaufen. Dr. Robert Bowker, Anatomieprofessor an der Michigan State University - College of Veterinary Medicine, fand in seinen Studien heraus, dass die Hufe der Wildpferde auch noch entsprechend ihrem Lebensraum unterschiedlich sind. Die Wildpferde, die überwiegend auf weichem Boden leben, entwickelten noch zusätzlich eine Art Hacken an den Trachten (Bild 2).

Alle Hufe, die er untersuchte, hatten eine sehr dicke Zehenwand, die aber im Gegensatz zu Hauspferden nicht parallel zum Hufbein stand! Als weitere Eigentümlichkeiten stellte er fest:
Hauspferde haben in der Hufwand neben den primären Lamellen noch sekundäre Lamellen. Diese sekundären Lamellen fehlten weitgehend bei den wilden Pferden, die ihr Gewicht auf der Sohle und dem Strahl tragen. Hier gibt es offensichtlich einen Zusammenhang, über den es nachzudenken gilt. Darüber hinaus waren die Lamellen der Wildpferde völlig gleichmäßig. Die Lamellen der Hauspferde sind unterschiedlich.

Auch das ist wohl ein Hinweis darauf, dass sich die Natur zu helfen versucht, um die Belastung abzufangen. Weiterhin wurde festgestellt, dass der natürliche Huf das Gewicht nicht gleichmäßig über die ganze Fläche verteilt trägt, sondern dass die Hauptbelastung auf vier Punkten liegt. Je ein Punkt rechts und links der Zehe und je ein Punkt rechts und links des Strahls, die Eckstrebenecke. Verbunden bilden die vier Punkte ein Rechteck (Bild 3 u 4).

Dies hat man durch schwarz gefärbte Holzplatten, auf die man die Hufe gestellt hat, herausgefunden. Im Gegensatz zu einem konventionellen Ausschneiden oder Beschlagen sind also folgende Punkte bei NBS maßgebend:

Strahl und Sohle werden auf Dauer zum Tragen mit herangezogen. Beim Erstbeschlag mit NBS muss manchmal durch ein Polster der bessere Bodenkontakt erst mal künstlich erzeugt werden. Die Trachten werden möglichst soweit gekürzt, dass der Strahl mit dem Eisen auf einer Ebene ist. Durch die korrekte Positionierung des Eisens ist dann die Lastabtragung über den Huf genau unter dem Hufgelenk (Bild 5).

Bei den Forschungen fand Gene Ovnicek außerdem heraus, dass der Point of Breakover (der Abrollpunkt) stets etwa 2,5 bis 3 cm vor der wahren Strahlspitze lag (Bild 5).

Bei den Hauspferden liegt er oft 5 cm und mehr vor den wahren Strahlspitze (Bild 7)!

Durch die spezielle Form des Eisens wird der Abrollpunkt deutlich nach hinten verschoben, so dass ein viel leichteres Abrollen möglich ist und der Huf auf Dauer wieder seine Last genau unter dem Hufgelenk abtragen kann. Durch das bessere Abrollen wird der Beugesehnenapperat bei jedem Schritt entlastet !!!!

Eine weitere Neuigkeit war, dass die Füße der Wildpferde bei jedem Auffussen zuerst mit dem hinteren Bereich den Boden berühren. Also praktisch mit dem Absatz zuerst. Hier befinden sich auch die schockaufnehmenden Anteile des Hufes.

Hieraus ergeben sich folgende Schlussfolgerungen:

o        Strahl, Sohle und Eckstrebenecke haben die Aufgabe das Hufbein zu unterstützen, nicht nur ausschließlich die Hufwand.

o        Kurzer Abrollweg

o        Die Sohle ist im Bereich des Abrollpunktes härter und schwieliger.

o        Die weiteste Stelle des Hufes wird sich immer unter dem Schwerpunkt des Hufgelenkes befinden.